Die Österreichisch-Thailändische Gesellschaft, gegründet im Jahr 1982, widmet sich seit mehr als vier Jahrzehnten der Förderung freundschaftlicher Beziehungen zwischen Österreich und Thailand. Von Beginn an stand dabei der kulturelle Austausch im Mittelpunkt – ebenso wie das Ziel, Menschen beider Länder einander näherzubringen und Verständnis füreinander zu schaffen. Im Laufe der Jahre entwickelte sich ein beeindruckendes Netzwerk aus Projekten, Initiativen und Partnerschaften, das heute weit über die Landesgrenzen hinausstrahlt.
Bereits in den frühen Jahren der Gesellschaft wurden zahlreiche Projekte umgesetzt, die das thailändische Kulturerbe in Österreich sichtbar machten. Von Vorarlberg bis ins Burgenland fanden die ersten Thailand-Food-Festivals statt, die Besucherinnen und Besucher mit neuen Geschmackswelten vertraut machten. Das Thailand-Kulturfest vor dem Naturhistorischen Museum Wien entwickelte sich zu einem vielbeachteten Publikumsmagneten. Dazu kamen Studienreisen nach Thailand, klassische Konzerte mit thailändischen Musikstudierenden der Universitäten Wien, Graz und Salzburg sowie Charity-Auktionen in Zusammenarbeit mit der königlich thailändischen Botschaft.
Auch Studentenaustauschprogramme und kulturelle Begegnungen prägten das Wirken der Gesellschaft nachhaltig. Ein besonders wichtiger Bereich der Tätigkeit betrifft bis heute die wohltätigen Projekte. Dank zahlreicher Spendeninitiativen und Benefizaktionen konnten bereits Schulen, Waisenhäuser und medizinische Einrichtungen in Thailand unterstützt werden. Diese Projekte stärken nicht nur das soziale Miteinander, sondern sind ein sichtbarer Ausdruck der Verbundenheit zwischen den beiden Nationen. Im Jahr 2025 wurde ein Projekt vom Dachverband PaN ausgezeichnet, das beispielhaft zeigt, wie kulturelle Begegnung bereits bei jungen Menschen nachhaltige Wirkung entfalten kann. Der Gedanke dahinter war so einfach wie kraftvoll: Schülerinnen und Schüler sollten für Neues geöffnet werden, um Toleranz und Völkerverständigung bereits in jungen Jahren bewusst zu fördern.
Initiiert wurde das Projekt von Vorstandsmitglied Rudolf Kernstock, der die Stadtregierung St. Pölten kontaktierte, um eine geeignete Schule zu finden. Mit der Theodor-Körner-II-Musikmittelschule fand sich rasch ein idealer Partner. Direktorin Mag. Helga Reisinger erkannte sofort das Potenzial der Initiative und unterstützte es mit großem Engagement. So entstand das Projekt „Brücken bauen mit allen Sinnen – Thailand Kulinarik“. Drei dritte Klassen – insgesamt 52 Schülerinnen und Schüler – erhielten an vier Projekttagen Unterricht in der thailändischen Küche von der renommierten thailändischen Chefköchin Siriwan Siridei, die bereits mehrere Botschafter und Mitglieder des thailändischen Königshauses bekocht hat. Mit Leidenschaft und fachlicher Präzision vermittelte sie den Jugendlichen die Grundlagen der thailändischen Kulinarik – von Gewürzen und Kräutern bis hin zu typischen Kochtechniken und landestypischen Speisen. Bei einem Ausflug nach Wien auf den berühmten Naschmarkt wurde den Schülerinnen und Schülern auch die verschiedenen Kräuter und Gewürze, das A und O der thailändischen Küche nähergebracht.
Doch das Projekt beschränkte sich nicht auf die Küche. Auch andere Unterrichtsfächer griffen das Thema Thailand auf: In Geographie wurden Klima, Regionen und Kulturraum Südostasien behandelt, während im Werkunterricht kreative Arbeiten inspiriert von thailändischen Mustern, Farben und Symbolen entstanden. Bei einem weiteren Ausflug zur Friedensstupa in Grafenwörth lauschten die Jugendlichen den Ausführungen des Vorort ansässigen buddhistischen Mönch, der sie in die Grundzüge des Buddhismus einweihte. Ziel war es, den Jugendlichen ein umfassendes, vielschichtiges Bild des Landes zu vermitteln – ein ganzheitlicher Zugang, der Wissen, Kreativität und kulturelle Offenheit miteinander verbindet.
Der krönende Abschluss war ein öffentliches Schaukochen am Wochenmarkt im Zentrum von St. Pölten. Dort präsentierten die Schülerinnen und Schüler selbstbewusst ihre neu erworbenen Fähigkeiten, verkauften die zubereiteten Speisen und kamen mit zahlreichen Besucherinnen und Besuchern ins Gespräch. Die örtlichen Besucher des Marktes zeigten sich vom Projekt begeistert und attestierten den Speisen einen hervorragenden Geschmack, sodass immer wieder nachgekocht werden musste um die vielen Nachfragen zu befriedigen. Um 14:00 war dann alles ausverkauft, die Schülerinnen und Schüler erschöpft aber glücklich. Der Reinerlös der Aktion wurde von der Sparkasse St. Pölten großzügig verdoppelt und kommt zukünftigen Schulprojekten zugute. So bleibt der Erfolg des Projekts weit über den eigentlichen Unterricht hinaus wirksam.
Doch die Initiative von 2025 stellt keinen Endpunkt dar – vielmehr bildet sie den Auftakt zu einer ganzen Reihe ähnlicher Projekte. Bereits im April 2026 wird ein weiteres Kulinarik- und Kulturprojekt in Langenwang (Steiermark) stattfinden. Auch Wien und Salzburg haben bereits reges Interesse bekundet, sodass in den kommenden Jahren mit einer weiteren Ausweitung zu rechnen ist.
So zeigt die Österreichisch-Thailändische Gesellschaft erneut, wie kultureller Austausch im 21. Jahrhundert aussehen kann: praxisnah, generationenübergreifend, offen und inspirierend. Mit Projekten wie diesem wird nicht nur Wissen über andere Kulturen vermittelt – es werden echte Brücken gebaut. Brücken zwischen Ländern, Traditionen und Menschen.


